Kai F.

Kai F. hat sich für den Kurs „Psychotherapie HP“ entschlossen, den momentan viele Fernschulen anbieten. Inzwischen hat er ihn bereits abgeschlossen und sogar den offiziellen Prüfungsteil bestanden. Wie es lief und was der frisch gebackene Psychotherapeut nach dem Heilpraktikergesetz daraus macht, erzählt er hier.

 

Was hat bei dir den entscheidenden Anstoß dazu gegeben, Psychotherapeut zu werden?

 

Wenn ich ganz ehrlich bin, war das zu Beginn eine Faulheitsentscheidung. Ich hatte bereits eine Ausbildung im Pflegebereich und einige Jahre im Beruf gearbeitet, wollte das aber nicht mein Leben lang machen. Viele persönliche Gründe haben dann dazu geführt, dass ich endgültig etwas ändern wollte. Psychologie hat mich schon immer interessiert und als Therapeut zu arbeiten gefiel mir immer besser, je mehr ich darüber recherchiert habe. An ein komplettes Psychologiestudium habe ich mich nicht herangetraut und die langen Studienjahre haben mich auch etwas abgeschreckt. Die Möglichkeit, Psychotherapien nach dem Heilpraktikergesetz zu führen, war da schon verlockend.

 

Wieso hast du dich ausgerechnet für ein Fernstudium entschieden?

 

Ganz klar: Weil ich anfangs noch parallel gearbeitet habe. Das Fernstudium war für mich die einzige Möglichkeit, beides unter einen Hut zu bekommen. Außerdem waren das Weiterbildungsangebot und die Möglichkeiten in meiner Stadt eher mager.

 

Hattest du schon Erfahrungen mit dem Fernstudieren bzw. wie kamst du klar?

 

Nein, Erfahrungen hatte ich keine. Als das erste Material kam, wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt. Die ersten Hefte gingen mir locker von der Hand, danach wurde es aber wirklich kompliziert. Man sollte sich schon bewusst sein, dass man immerhin einen therapeutischen Beruf ausüben will und das nicht „einfach mal so“ geht. Ich musste das während des Fernstudiums lernen, was manchmal viel Überwindung gekostet hat. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben ;-).

 

Wie sind schließlich die Prüfungen vor dem Gesundheitsamt gelaufen?

 

Da ich ja bestanden habe, sind sie so gesehen gut für mich gelaufen 🙂 Es waren insgesamt zwei Prüfungen, eine schriftlich und eine mündlich. Die schriftliche Prüfung hätte ich mir schwerer vorgestellt. Es ist ein Multiple-Choice-Test. Man muss einfach nur die richtigen Antwortmöglichkeiten auswählen und nicht selbst einen Antworttext schreiben. Das wusste ich aber vorher und habe mir die Prüfungen der letzten Jahre angesehen. Da ist man schon vorbereitet auf das, was einen erwartet. Die mündliche Prüfung war für mich persönlich ein härterer Brocken. Vor allem weil man im Fernstudium nie vor Publikum frei sprechen muss. Ich kann nur empfehlen, das ein bisschen mit Freunden oder Familie durchzuspielen, wenn man keine Erfahrung mit mündlichen Prüfungen hat. Letztlich hat es bei mir gereicht, ganz souverän war ich aber nicht 😉

 

Hast du dich von deiner Fernschule gut darauf vorbereitet gefühlt?

 

Ja, schon. Wenn man die Studienbriefe gut durcharbeitet, weiß man auf jeden Fall alles, was man wissen muss. Ich habe trotzdem parallel viel gelesen, einfach weil es mir Spa0 gemacht hat. Geschadet hat das bestimmt nicht, man fühlt sich auch einfach sicherer, wenn man viele Quellen als Lernstoff benutzt hat. Einen Nachteil sehe ich wie gesagt in der mündlichen Prüfung, da fehlt einfach die Routine, wenn man sich alleine zu Hause darauf vorbereitet hat.

 

Du bist jetzt Psychotherapeut nach dem Heilpraktikergesetz. Ist das für dich nur „zweite Wahl“?

 

Natürlich gibt es Einschränkungen. Zum Beispiel kann ich keine medikamentöse Therapie einleiten. Das können nur Ärzte, zum Beispiel Neurologen, die auch als Psychotherapeut arbeiten. Ich empfinde das aber nicht als Nachteil oder wäre gar „neidisch“. Wir haben eben verschiedene Zielgruppen und das ist auch gut so.

 

Psychologiestudenten – egal welcher Richtung – wird nachgesagt, alles und jeden zu analysieren. Bemerkst du das auch an dir, seit du Psychotherapeut bist?

 

Man reagiert schon anders bzw. denkt sich bei manchen Problemen und Verhaltensweisen mehr. Wenn ich zum Beispiel lese, dass jemand sich selbst verletzt, dann ist das für mich nicht einfach nur suspekt, ich kann schon erahnen, was in diesen Menschen vorgeht. Aber so im Alltag analysiere ich meine Freunde und Familie nicht durch, das würde die auch ganz schön nerven 😉 Hobbypsychologie hat mit dem Beruf Psychotherapeut wenig gemeinsam. Um jemanden analysieren zu können, muss ich lange Gespräche mit ihm führen, das geht nicht mal eben so zwischen Tür und Angel.

 

Hast du weitere Pläne für die Zukunft?

 

Aufsteigen werde ich so gesehen nicht, da gibt es auch kaum Möglichkeiten. Ich habe mir aber vorgenommen, weitere Kurse und Vorträge zu besuchen. Ich finde es ist wichtig, immer auf dem neusten Stand zu sein, auch im therapeutischen Bereich tut sich einiges. Darauf will ich nicht verzichten, nur weil ich jetzt erstmal meine Prüfungen bestanden habe.